“Lea* auch Boot!”

Ich war da etwas naiv. Wir konnte ich meinen, dass ich auf einem Flohmarkt für Kinderspielzeug ein Playmobil-Schiff kaufe und es dann für mich behalte? Das muss man sich mal vorstellen: das Schiff für mich und was bekommt das Kind? Das Kind jedenfalls sieht das (zurecht!) nicht ein. Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als dem Kind auch ein Schiff zu organisieren. Warum nicht selber machen?

Ganz wie ein Künstler, beginne ich mit einem rohen, alten Stück Holz. Wie man sehen kann, hatte das Holz schon die eine oder andere Aufgabe im Garten und war nicht mehr taufrisch. Das macht aber nix. Die Schleifmaschine wirkt Wunder.

01_holzblockFür dieses Projekt habe ich keinen Plan gezeichnet, daher war die Länge des Holzstücks automatisch die richtige. Auf der Oberseite und seitlich habe ich die Konturen des Segelbootes eingezeichnet. Wahrscheinlich drehen sich jetzt einige Schiffbauer im Grabe um, aber nach meiner Laienvorstellung sieht so ein Rumpf aus:

02_form_gesaegtFehlt noch das Segel. Dazu habe ich einen Mast aus einem Haupt- und einem Querbalken erstellt (auch hier fehlt mir leider das Fach-Vokabular).

03_mit_mastIn die Balken werden kleine Löcher gebohrt, in denen am Ende das Segel befestigt werden kann. Da das Segel genäht werden sollte, musste ich es leider fremd-fertigen lassen. Glücklicherweise konnte ich durch geschickte Heirat bereits im Vorfeld dafür eine hervorragende In-House-Lösung schaffen.

04_mit_segelFertig ist das Segelboot!

Damit sind die Gemüter alle wieder beruhigt. Das Kind hat ein Boot und Papa kann an seinem Projekt weitermachen …

* Wahrer Name der Redaktion bekannt.

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Ahoi – Teil 1

Ich habe ein Kindheitstrauma. Ich habe mehrfach erfolglos versucht, ein (Modell-)Boot zu bauen. Es ging los mit einem Holzboot, mit dem ich selber auf der Amper fahren wollte. Weder war es dicht, noch hatte es ausreichend Auftrieb, um einen Menschen – und sei es auch nur ein kleiner Junge – zu tragen. Dann kam mein erstes RC-Modellboot: Elke von Graupner. Den Bausatz habe ich zwar fertiggestellt und es gab sogar eine Jungfernfahrt. Allerdings waren Motor und Akku dermaßen überdimensioniert, dass man nicht von Fahren sprechen konnte. Schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass Elke ein alter Fischkutter sein soll. Als nächstes habe ich mich an dem Krabbenkutter Tön 12 von Graupner probiert. Sie hat nie Wasser unter dem Kiel zu spüren bekommen, geschweige denn wurde sie mit Elektronik ausgestattet. Mein nächster Versuch Fluppi (ein Speedboot, ebenfalls Graupner) verhielt sich wie ein U-Boot. Der letzte Versuch sollte dann ein vollständig selbst entworfenes Segelboot werden; die unvollendeten Reste vergilben auf dem Dachboden:

segelbootNicht einer der Versuche wurde erfolgreich zum Ende geführt.

Und nun kam das Schicksal in Form eines Winks zu mir. Auf einem Flohmarkt fand ich dieses Polizeiboot von Playmobil:

flohmarktDa war sie. Meine Chance, mein Trauma zu verarbeiten. Mir blieb nichts anderes übrig, als zuzuschlagen und einen Schlachtplan zu entwerfen.

Zunächst muss das Schiff in seine Einzelteile zerlegt werden. Die zentrale Komponente ist natürlich der Rumpf. Wenn es gut läuft, dann werde ich die Aufbauten später wieder aufsetzen, das kommt aber erst am Ende.

auseinandernehmenUm den Antrieb (Schraube, Welle und Ruder) optimal einbauen zu können, habe ich zunächst ein Loch in den Rumpf geschnitten.

rumpf_lochDas Loch habe ich mit einem Teil eines alten Rohres aus einem Waschbeckenabfluss gefüllt. Darin sind das Führungsrohr für das Ruder und das Stevenrohr integriert (das ist das Rohr in dem später die Welle laufen wird).

antrieb_aussen

Die gesamte Konstruktion habe ich mit Sperrholzteilen punktuell verstärkt und ausgerichtet.

antrieb_innenDas Ruder wird mit einem Servo verbunden der wiederum ebenfalls in einer Sperrholzkonstruktion sitzt. An die Welle wird ein kleiner DC-Motor anschlossen und dieser fest mit dem Schiffsrumpf verbunden.

servo_motorDamit sind die Antriebskomponenten fest verbaut, die Schiffsschraube und das Ruder können montiert werden.

ruder_schiffschraubeZuletzt muss noch sichergestellt werden, dass auch von oben kein Spritzwasser in den Rumpf eindringen kann. Dazu habe ich eine Leiste um den gesamten oberen Rand des Rumpfes herum angebracht, auf die das Deck montiert werden kann.

leiste_deckDas Deck wird dazu mit dieser Leiste verklebt. Auch das Deck besteht aus Sperrholz und wurde über eine Schablone passgenau zugeschnitten. In der Mitte ist ein Teil herausnehmbar, damit man auch später noch an die Antriebskomponenten und die Steuerungselektronik (Teil 2) herankommt.

neues_deck-1Zuletzt wird der gesamte Rumpf neu lackiert. Gerade durch den Einbau des Halbzylinders für den Antrieb, waren darauf natürlich deutliche Gebrauchsspuren zu erkennen. Der Rohbau ist damit abschlossen.

frisch_lackiert-1Im zweiten Teil geht es um den Einbau der Steuerungselektronik und vor allem um die Frage: Schwimmt es? Funktioniert es? Ist das Trauma zu überwinden?

Dritte Hand, Vierte Hand, …

Jede(r) die/der (ich habe gerade wieder ein Girls’Day-Tag gehabt) mit Elektronik-Bauteilen experimentiert, kennt das Problem: In einer Hand den Lötdraht, in der anderen Hand den Lötkolben. Und wer hält jetzt die Kabel, Dioden, Widerstände, …? Der Baumarkt meines Vertrauens hat leider keine passende Befestigungsmöglichkeit im Sortiment. Da bleibt nur selber machen. Glücklicherweise gibt es unzählige DIY-Varianten einer “Dritten Hand” im Netz zu finden. Eine gute Basis, eine weitere Variante beizusteuern.

Am Anfang was das Brett. Das Brett dient als Fundament und sollte daher eine gewisse Massivität mitbringen. Ich habe auf der Rückseite Filzgleiter angebracht. Das erhöht die Stabilität zusätzlich.

dritte_hand01Diese Bodenplatte bekommt außerdem ein Loch, in das man den Halteschaft stecken kann. Der ist ein einfacher Holzstift.

dritte_hand02Auf dem Halteschaft muss man jetzt noch etwas anbringen, das die Bauteile später halten kann. Diese Halterung soll bei meiner Ausführung eine ausgediente Wäscheklammer sein. Theoretisch könnte ich die einfach auf die Haltestange schrauben und fertig.

dritte_hand03Leider weiss man vorher nicht, auf welcher Höhe genau gearbeitet werden soll. Daher habe ich den Halteschaft am oberen Ende eingebohrt und eine Gewindestange M5 eingelassen.

dritte_hand04Auf der Gewindestange kann ich nun mit zwei Unterlegscheiben und zwei Muttern die Wäscheklammer anbringen und in der Höhe verstellen. Damit sollte ausreichend Flexibilität gegeben sein. Wenn ich nun mehrere Bauteile miteinander verlöten möchte, kann jedes seiner Dimensionierung entsprechend mit seiner Klammer auf der richtigen Höhe gehalten werden.

dritte_hand05Eine halbe Stunde Arbeit und schon hat man nicht drei, nein, gleich vier Hände. Löwenherz, äh, … Löterherz, was willst du mehr?